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German HL P2 (State) 2017 hlayiso.com

Subject: German HLGrade 12201718 pages
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Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE EXAMINATION STATE 2017 GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Zeit: 21/2 Stunden 80 Punkte LESEN SIE DIE FOLGENDEN ANWEISUNGEN BITTE SORGFÄLTIG DURCH 1. Dieser Prüfungsbogen hat 18 Seiten. Überprüfen Sie bitte, ob Ihr Exemplar vollständig ist. 2. Dieser Prüfungsbogen hat drei Abteilungen: A. Interpretation von Gedichten (poetry) 1 – Interpretation zweier bekannter Gedichte (seen poems) 2 – Interpretation eines unbekannten Gedichts (unseen poem) B. Roman (novel) C. Drama (drama) 3. Lesen Sie die Aufgaben sorgfältig durch. 4. Nummerieren Sie Ihre Antworten in der gleichen Reihenfolge wie die Aufgaben. 5. Leserliche Schrift und saubere Darstellung dienen Ihrem eigenen Interesse. 6. Alle Antworten müssen in das dafür vorgesehene Heft eingetragen werden. 7. Lyrik: Thema: Glaube, Hoffnung Martin Luther (1483–1546) Ein feste Burg Andreas Gryphius (1616–1664) Abend Christian Hofmann von Hofmannswaldau Die Welt (1616–1679) Matthias Claudius (1740–1815) Abendlied Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) Grenzen der Menschheit Clemens Brentano (1778–1842) Eingang Joseph von Eichendorff (1788–1857) Der frohe Wandersmann Conrad Ferdinand Meyer (1825–1898) Die Füße im Feuer Bertolt Brecht (1898–1956) Die Krücken Ingeborg Bachmann (1926–1973) Reklame Günter Eich (1907–1972) Inventur 8. Epik: „Jugend ohne Gott“ Ödön von Horváth 9. Dramatik: „Nathan der Weise“ Gotthold Ephraim Lessing IEB Copyright © 2017 PLEASE TURN OVER
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 2 of 18 TEIL A INTERPRETATION VON GEDICHTEN (POETRY) [30 PUNKTE] A1 – Interpretation zweier bekannter Gedichte (seen poems) [20 Punkte] Wählen Sie zwei der vier möglichen Aufgaben aus, aber nicht 1 und 2 gemeinsam! [Die Einzelfragen sollten in vollständigen Sätzen so beantwortet werden, dass auch eine angemessene Wortanzahl erreicht wird.] Aufgabe A1.1 zu dem Gedicht „Grenzen der Menschheit“ von Johann Wolfgang von Goethe oder Aufgabe A1.2 (a–f) zu dem Gedicht „Grenzen der Menschheit“ von Johann Wolfgang von Goethe oder/und Aufgabe A1.3 zu dem Gedicht „Die Krücken“ von Bertolt Brecht oder/und Aufgabe A1.4 (a–e) zu dem Gedicht „Die Welt“ von Christian Hofmann von Hofmannswaldau Aufgabe A1.1: Schreiben Sie eine Interpretation des Gedichtes „Grenzen der Menschheit“ von Johann Wolfgang von Goethe. (ca. 250 bis 300 Wörter) [10 Punkte] Grenzen der Menschheit Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) Wenn der uralte Heilige Vater Mit gelassener Hand Aus rollenden Wolken Segnende Blitze Über die Erde sät, Küß' ich den letzten Saum seines Kleides, Kindliche Schauer Treu in der Brust. Denn mit Göttern Soll sich nicht messen Irgendein Mensch. Hebt er sich aufwärts Und berührt Mit dem Scheitel die Sterne, Nirgends haften dann Die unsichern Sohlen, Und mit ihm spielen Wolken und Winde. IEB Copyright © 2017
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 3 of 18 Steht er mit festen, Markigen Knochen Auf der wohlgegründeten Dauernden Erde, Reicht er nicht auf, Nur mit der Eiche Oder der Rebe Sich zu vergleichen. Was unterscheidet Götter von Menschen? Daß viele Wellen Vor jenen wandeln, Ein ewiger Strom; Uns hebt die Welle, Verschlingt die Welle, Und wir versinken. Ein kleiner Ring Begrenzt unser Leben, Und viele Geschlechter Reihen sich dauernd An ihres Daseins Unendliche Kette. [nach: Echtermeyer/von Wiese, S. 203f.] oder Aufgabe A1.2: Bearbeiten Sie folgende Aufgaben zu dem Gedicht „Grenzen der Menschheit“ von Johann Wolfgang von Goethe. [10 Punkte] (a) Beschreiben Sie die äußere Form des Gedichts. (1) (b) Welches Bild des „Heiligen Vaters“ oder der „Götter“ wird in der ersten und der vierten Strophe gezeichnet? (2) (c) Was geschieht, wenn der „Mensch“ sich mit „Göttern“ „messen“ möchte? (2) (d) Die Erde ist die Domäne des Menschen und wird als solche positiv gezeichnet, doch diese Gebundenheit an das Irdische hat auch negative Auswirkungen. Welche sind das? (2) (e) Arbeiten Sie in eigenen Worten oder an einem selbst gewählten Beispiel heraus, was laut vierter Strophe „Götter von Menschen“ „unterscheidet“. (2) (f) Inwiefern werden in der fünften Strophe die Begrenztheit und das Dauerhafte der Menschheit oder des menschlichen Seins deutlich? (1) IEB Copyright © 2017 PLEASE TURN OVER
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 4 of 18 und/oder Aufgabe A1.3: Schreiben Sie eine Interpretation des Gedichts „Die Krücken“ von Bertolt Brecht. (ca. 250 bis 300 Wörter) [10 Punkte] Die Krücken Bertolt Brecht (1898–1956) Sieben Jahre wollt kein Schritt mir glücken. Als ich zu dem großen Arzte kam Fragte er: Wozu die Krücken? Und ich sagte: Ich bin lahm. Sagte er: Das ist kein Wunder. Sei so freundlich, zu probieren! Was Dich lähmt, ist dieser Plunder. Geh, fall, kriech auf allen vieren! Lachend wie ein Ungeheuer Nahm er meine schönen Krücken Brach sie durch auf meinem Rücken Warf sie lachend in das Feuer. Nun, ich bin kuriert: ich gehe. Mich kurierte ein Gelächter. Nur zuweilen, wenn ich Hölzer sehe Gehe ich für Stunden etwas schlechter. [nach: Gesamtausgabe, Aufbau-Verlag, 2. Auflage 1975, Band 3, Seite 341] und/oder Aufgabe A1.4: Bearbeiten Sie folgende Aufgaben zu dem Gedicht „Die Welt“ von Christian Hofmann von Hofmannswaldau. [10 Punkte] Die Welt Christian Hofmann von Hofmannswaldau (1616–1679) Was ist die Welt und ihr berühmtes Glänzen? Was ist die Welt und ihre ganze Pracht? Ein schnöder Schein in kurzgefaßten Grenzen, Ein schneller Blitz bei schwarzgewölkter Nacht, Ein buntes Feld, da Kummerdisteln grünen, Ein schön Spital, so voller Krankheit steckt, Ein Sklavenhaus, da alle Menschen dienen, Ein faules Grab, so Alabaster deckt. IEB Copyright © 2017
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 5 of 18 Das ist der Grund, darauf wir Menschen bauen Und was das Fleisch für einen Abgott hält. Komm, Seele, komm und lerne weiter schauen, Als sich erstreckt der Zirkel dieser Welt! Streich ab von dir derselben kurzes Prangen, Halt ihre Lust für eine schwere Last: So wirst du leicht in diesen Port gelangen, Da Ewigkeit und Schönheit sich umfaßt. [nach: Echtermeyer/von Wiese, S. 115] (a) Beschreiben Sie die äußere Form Gedichts (Strophen, Reim, Metrum, …). (1) (b) Das Gedicht beginnt mit den beiden Fragen zum Istzustand der Welt. Worin liegen denn nach Auffassung des lyrischen Ichs das „berühmte[s] Glänzen“ und die „ganze Pracht“ der Welt? (3) (c) Wodurch kennzeichnet das lyrische Ich die Wertlosigkeit all dessen in den ersten acht Versen? (3) (d) An diese Darstellung von Schein und Wirklichkeit der Welt schließt das lyrische Ich eine Aufforderung an. Wozu wird der Mensch in den Versen 10 bis 14 aufgefordert? (2) (e) Welches Ziel kann, wenn man dem Rat folgt, dann nach Auffassung des lyrischen Ichs mit Leichtigkeit erreicht werden? (1) IEB Copyright © 2017 PLEASE TURN OVER
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 6 of 18 A2 – Interpretation eines unbekannten Gedichts (unseen poem) [10 Punkte] Wählen Sie eine der vier Aufgaben aus! [Die Einzelfragen sollten in vollständigen Sätzen so beantwortet werden, dass auch eine angemessene Wortanzahl erreicht wird.] Aufgabe A2.1 oder Aufgabe A2.2 (a–e) zu dem Gedicht „Täglich zu singen“ von Matthias Claudius oder Aufgabe A2.3 oder Aufgabe A2.4 (a–f) zu dem Gedicht „Stille der Nacht“ von Gottfried Keller Aufgabe A2.1: Schreiben Sie eine Interpretation des Gedichtes „Täglich zu singen“ von Matthias Claudius (mind. 250 Wörter). [10 Punkte] Täglich zu singen Matthias Claudius (1740–1815) Ich danke Gott, und freue mich Wie's Kind zur Weihnachtsgabe, Daß ich bin, bin! Und daß ich dich, Schön menschlich Antlitz! habe; Daß ich die Sonne, Berg und Meer, Und Laub und Gras kann sehen, Und abends unterm Sternenheer Und lieben Monde gehen; Und daß mir denn zumute ist, Als wenn wir Kinder kamen, Und sahen, was der heil'ge Christ Bescheret hatte, Amen! Ich danke Gott mit Saitenspiel, Daß ich kein König worden; Ich wär geschmeichelt worden viel, Und wär vielleicht verdorben. Auch bet ich ihn von Herzen an, Daß ich auf dieser Erde Nicht bin ein großer reicher Mann, Und auch wohl keiner werde. Denn Ehr und Reichtum treibt und bläht, Hat mancherlei Gefahren, Und vielen hat's das Herz verdreht, Die weiland wacker waren1. IEB Copyright © 2017
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 7 of 18 Und all das Geld und all das Gut Gewährt zwar viele Sachen; Gesundheit, Schlaf und guten Mut Kann's aber doch nicht machen. Und die sind doch, bei Ja und Nein! Ein rechter Lohn und Segen! Drum will ich mich nicht groß kastein2 Des vielen Geldes wegen. Gott gebe mir nur jeden Tag, Soviel ich darf zum Leben. Er gibt's dem Sperling auf dem Dach; Wie sollt er's mir nicht geben! [nach: Echtermeyer/von Wiese, S. 154f.] Worterklärungen: 1 weiland wacker waren – früher mutig waren, einstmals tapfer waren, in der Vergangenheit brav waren, seinerzeit ehrenhaft waren 2 kastein – sich quälen, sich martern, auch: sich empören oder Aufgabe A2.2: Bearbeiten Sie folgende Aufgaben zu dem Gedicht „Täglich zu singen“ von Matthias Claudius. [10 Punkte] (a) Beschreiben Sie kurz die äußere Form Gedichts (Strophen, Reim, Metrum, …). (2) (b) Wofür bedankt sich das lyrische Ich im mit „Amen“ abgeschlossenen Danklied der ersten bis dritten Strophe? (3) (c) In den Strophen vier bis sechs bedankt sich das lyrische Ich erstaunlicherweise dafür, dass es kein König und kein Millionär geworden ist. Warum ist das für das lyrische Ich so wichtig? (2) (d) Was ist für das lyrische Ich besonders wichtig für Menschen und aus welchem Grund? (2) (e) Woran ist das Vertrauen des lyrischen Ichs auf Gott in der letzten Strophe erkennbar? (1) oder IEB Copyright © 2017 PLEASE TURN OVER
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 8 of 18 Aufgabe A2.3: Schreiben Sie eine Interpretation des Gedichtes „Stille der Nacht“ von Gottfried Keller (mind. 250 Wörter). [10 Punkte] Stille der Nacht Gottfried Keller (1819–1890) Willkommen, klare Sommernacht, Die auf betauten Fluren1 liegt! Gegrüßt mir, goldne Sternenpracht, Die spielend sich im Weltraum wiegt! Das Urgebirge um mich her Ist schweigend, wie mein Nachtgebet; Weit hinter ihm hör' ich das Meer Im Geist und wie die Brandung2 geht. Ich höre einen Flötenton, Den mir die Luft von Westen bringt, Indes herauf im Osten schon Des Tages leise Ahnung dringt. Ich sinne, wo in weiter Welt Jetzt sterben mag ein Menschenkind – Und ob vielleicht den Einzug hält Das viel ersehnte Heldenkind3. Doch wie im dunklen Erdental Ein unergründlich Schweigen ruht, Ich fühle mich so leicht zumal Und wie die Welt so still und gut. Der letzte leise Schmerz und Spott Verschwindet aus des Herzens Grund; Es ist, als tät' der alte Gott Mir endlich seinen Namen kund. [nach: Echtermeyer/von Wiese, S. 477] Worterklärungen: 1 auf betauten Fluren – auf mit Morgentau überzogenem Grund und Boden 2 Brandung – Wellenschlag, Seegang, Wogen 3 das ersehnte Heldenkind – eventuell das von Jesaja prophezeite heilbringende Kind oder auch Anspielung auf die erwartete Wiederkunft Christi oder IEB Copyright © 2017
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 9 of 18 Aufgabe A2.4: Bearbeiten Sie folgende Aufgaben zu dem Gedicht „Stille der Nacht“ von Gottfried Keller. [10 Punkte] (a) Beschreiben Sie kurz die äußere Form Gedichts (Strophen, Reim, Metrum, …). (2) (b) Zeichnen Sie die stufenweise Abfolge von Einbildung (Imagination) (2. Strophe) bis zum intensiven Nachdenken (in der 4. Strophe) nach. (3) (c) Warum wird in der dritten Strophe der Gegensatz von Westen und Osten (vermutlich) in den Mittelpunkt gestellt? (1) (d) Welche Funktion hat der dargestellte Gegensatz von Tod und Geburt für das lyrische Ich in der vierten Strophe? (1) (e) Das dadurch hervorgerufene Fühlen des Ichs (in der 5. Strophe) führt abschließend zur Glaubensgewissheit. Zeichnen Sie den Weg in eigenen Worten nach. (2) (f) Wie zeigt sich die Glaubensgewissheit in der letzten Strophe? (1) IEB Copyright © 2017 PLEASE TURN OVER
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 10 of 18 Wählen Sie bei den Teilen B (Roman) und C (Drama) zwei der sechs möglichen Aufgaben aus! Wenn Sie Aufgabe B1 oder B2 aussuchen, müssen Sie Aufgabe C3 wählen oder wenn Sie Aufgabe B3 aussuchen, können Sie zwischen Aufgabe C1 oder C2 wählen. TEIL B ROMAN – ÖDÖN VON HORVÁTH: JUGEND OHNE GOTT [25 PUNKTE] Bearbeiten Sie in diesem Teil entweder die Aufgabe B1 oder B2 oder B3 (je nach Bearbeitung von Aufgabe C)! Aufgabe B1: Wie wird die faschistische Gesellschaft in dem Roman dargestellt? (Literarische Erörterung: ca. 400–450 Wörter) oder Aufgabe B2: Wie werden die Jugendlichen in dem Roman „Jugend ohne Gott“ charakterisiert? Wo liegen die Ursachen für ihr Verhalten? (Literarische Charakterisierung und Erörterung: ca. 400–450 Wörter) oder Aufgabe B3: (Fragen zum Text – Quelle 1) Beantworten Sie, von der angegebenen Textstelle ausgehend, die Fragen zum Roman „Jugend ohne Gott“. Auf meinem Tische stehen Blumen. Lieblich. Ein Geschenk meiner braven Hausfrau, denn heute ist mein Geburtstag. Aber ich brauche den Tisch und rücke die Blumen beiseite und auch den Brief meiner alten Eltern. Meine Mutter schrieb: „Zu Deinem vierunddreißigsten Geburtstage wünsche ich Dir, mein liebes Kind, das Allerbeste. Gott, der Allmächtige, gebe Dir 5 Gesundheit, Glück und Zufriedenheit!“ Und mein Vater schrieb: „Zu Deinem vierunddreißigsten Geburtstage, mein lieber Sohn, wünsche ich Dir alles Gute. Gott, der Allmächtige, gebe Dir Glück, Zufriedenheit und Gesundheit!“ Glück kann man immer brauchen, denke ich mir, und gesund bist du auch, gottlob! Ich klopfe auf Holz. Aber zufrieden? Nein, zufrieden bin ich eigentlich nicht. Doch das ist ja 10 schließlich niemand. Ich setze mich an den Tisch, entkorke eine rote Tinte, mach mir dabei die Finger tintig und ärgere mich darüber. Man sollt endlich mal eine Tinte erfinden, mit der man sich unmöglich tintig machen kann! Nein, zufrieden bin ich wahrlich nicht. Denk nicht so dumm, herrsch ich mich an. Du hast doch eine sichere Stellung mit 15 Pensionsberechtigung, und das ist in der heutigen Zeit, wo niemand weiß, ob sich morgen die Erde noch drehen wird, allerhand! Wie viele würden sich sämtliche Finger ablecken, wenn sie an deiner Stelle wären?! Wie gering ist doch der Prozentsatz der Lehramtskandidaten, die wirklich Lehrer werden können! Danke Gott, daß du zum IEB Copyright © 2017
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 11 of 18 Unterrichtskörper eines Städtischen Gymnasiums gehörst und daß du also ohne große 20 wirtschaftliche Sorgen alt und blöd werden darfst! Du kannst doch auch hundert Jahre alt werden, vielleicht wirst du sogar mal der älteste Einwohner des Vaterlandes! Dann kommst du an deinem Geburtstag in die Illustrierte, und darunter wird stehen: „Er ist noch bei regem Geiste.“ Und das alles mit Pension! Bedenk und versündig dich nicht! Ich versündige mich nicht und beginne zu arbeiten. Sechsundzwanzig blaue Hefte liegen 25 neben mir, sechsundzwanzig Buben, so um das vierzehnte Jahr herum, hatten gestern in der Geographiestunde einen Aufsatz zu schreiben, ich unterrichte nämlich Geschichte und Geographie. Draußen scheint noch die Sonne, fein muß es sein im Park! Doch Beruf ist Pflicht, ich korrigiere die Hefte und schreibe in mein Büchlein hinein, wer etwas taugt oder nicht. 30 Das von der Aufsichtsbehörde vorgeschriebene Thema der Aufsätze lautet: „Warum müssen wir Kolonien haben?“ Ja, warum? Nun, lasset uns hören! Der erste Schüler beginnt mit einem B: er heißt Bauer, mit dem Vornamen Franz. In dieser Klasse gibt's keinen, der mit A beginnt, dafür haben wir aber gleich fünf mit B. Eine Seltenheit, so viele B's bei insgesamt sechsundzwanzig Schülern! Aber zwei B's sind 35 Zwillinge, daher das Ungewöhnliche. Automatisch überfliege ich die Namensliste in meinem Büchlein und stelle fest, daß B nur von S fast erreicht wird – stimmt, vier beginnen mit S, drei mit M, je zwei mit E, G, L und R, je einer mit F, H, N, T, W, Z, während keiner mit A, C, D, I, O, P, Q, U, V, X, Y beginnt. Nun, Franz Bauer, warum brauchen wir Kolonien? 40 „Wir brauchen die Kolonien“, schreibt er, „weil wir zahlreiche Rohstoffe benötigen, denn ohne Rohstoffe könnten wir unsere hochstehende Industrie nicht ihrem innersten Wesen und Werte nach beschäftigen, was zur unleidlichen Folge hätte, daß der heimische Arbeitsmann wieder arbeitslos werden würde.“ Sehr richtig, lieber Bauer! „Es dreht sich zwar nicht um die Arbeiter“ – sondern, Bauer? –, „es dreht sich vielmehr um 45 das Volksganze, denn auch der Arbeiter gehört letzten Endes zum Volk.“ Das ist ohne Zweifel letzten Endes eine großartige Entdeckung, geht es mir durch den Sinn, und plötzlich fällt es mir wieder auf, wie häufig in unserer Zeit uralte Weisheiten als erstmalig formulierte Schlagworte serviert werden. Oder war das immer schon so? Ich weiß es nicht. 50 Jetzt weiß ich nur, daß ich wieder mal sechsundzwanzig Aufsätze durchlesen muß, Aufsätze, die mit schiefen Voraussetzungen falsche Schlußfolgerungen ziehen. Wie schön wärs, wenn sich „schief“ und „falsch“ aufheben würden, aber sie tuns nicht. Sie wandeln Arm in Arm daher und singen hohle Phrasen. Ich werde mich hüten, als städtischer Beamter, an diesem lieblichen Gesange auch nur die leiseste Kritik zu üben! 55 Wenns auch weh tut, was vermag der einzelne gegen alle? Er kann sich nur heimlich ärgern. Und ich will mich nicht mehr ärgern! Korrigier rasch, du willst noch ins Kino! Was schreibt denn da der N? „Alle Neger sind hinterlistig, feig und faul.“ – Zu dumm! Also das streich ich durch! Und ich will schon mit roter Tinte an den Rand schreiben: „Sinnlose Verallgemeinerung!“ – da stocke ich. Aufgepaßt, habe ich denn diesen Satz 60 über die Neger in letzter Zeit nicht schon mal gehört? Wo denn nur? Richtig: er tönte aus dem Lautsprecher im Restaurant und verdarb mir fast den Appetit. IEB Copyright © 2017 PLEASE TURN OVER
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 12 of 18 Ich lasse den Satz also stehen, denn was einer im Radio redet, darf kein Lehrer im Schulheft streichen. Und während ich weiterlese, höre ich immer das Radio: es lispelt, es heult, es bellt, es girrt, es droht – und die Zeitungen drucken es nach, und die Kindlein, 65 sie schreiben es ab. Nun hab ich den Buchstaben T verlassen, und schon kommt Z. Wo bleibt W? Habe ich das Heft verlegt? Nein, der W war ja gestern krank – er hatte sich am Sonntag im Stadion eine Lungenentzündung geholt, stimmt, der Vater hats mir ja schriftlich korrekt mitgeteilt. Armer W! Warum gehst du auch ins Stadion, wenns eisig in Strömen regnet? 70 Diese Frage könntest du eigentlich auch an dich selbst stellen, fällt es mir ein, denn du warst ja am Sonntag ebenfalls im Stadion und harrtest treu bis zum Schlußpfiff aus, obwohl der Fußball, den die beiden Mannschaften boten, keineswegs hochklassig war. Ja, das Spiel war sogar ausgesprochen langweilig – also: warum bliebst du? Und mit dir dreißigtausend zahlende Zuschauer? 75 Warum? Wenn der Rechtsaußen den linken Half überspielt und zentert, wenn der Mittelstürmer den Ball in den leeren Raum vorlegt und der Tormann sich wirft, wenn der Halblinke seine Verteidigung entlastet und ein Flügelspiel forciert, wenn der Verteidiger auf der Torlinie rettet, wenn einer unfair rempelt oder eine ritterliche Geste macht, wenn der 80 Schiedsrichter gut ist oder schwach, parteiisch oder parteilos, dann existiert für den Zuschauer nichts auf der Welt außer dem Fußball, ob die Sonne scheint, obs regnet oder schneit. Dann hat er alles vergessen. Was „alles“? Ich muß lächeln: die Neger, wahrscheinlich – 85 [<https://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/20Jh/Horvath/hor_juge.html>] (a) Fassen Sie den Inhalt der Textstelle in eigenen Worten zusammen. (3) (b) Ordnen Sie die Textstelle in die Gesamthandlung des Romans ein. (6) (c) Welche Funktion hat dieser Textausschnitt? (2) (d) Was ist bei den Geburtstagsgrüßen der Eltern auffällig? (2) (e) Welche Berufsauffassung ist bei dem Lehrer erkennbar? (3) (f) Was findet der Lehrer positiv an seiner Arbeit und was gefällt ihm überhaupt nicht? (2) (g) Wie wird hier die gesellschaftliche/politische Situation in dem Land dargestellt? (3) (h) Welche Haltung nimmt der Lehrer gegenüber der politischen Situation ein? (3) (i) Welche Funktion hat nach Aussage des Erzählers der Fußballsport? Woran erkennt man das im Text? (1) IEB Copyright © 2017
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 13 of 18 TEIL C DRAMA – GOTTHOLD EPHRAIM LESSING: NATHAN DER WEISE [25 PUNKTE] Bearbeiten Sie in diesem Teil entweder die Aufgabe C1 oder C2 oder C3 (je nach Bearbeitung von Aufgabe B)! Aufgabe C1: Dr. William Boehart schreibt unter dem Titel „Nathan der Weise – eine Annäherung“: „Lessing schrieb nach der Fertigstellung des Manuskripts an seinen Bruder Karl in Berlin: ,Es kann wohl seyn, dass mein Nathan im Ganzen wenig Wirkung tun würde, wenn er auf das Theater käme, welches wohl nie geschehen wird.ʻ Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich das Werk zum Klassiker. Zwischen 1933 und 1945 war es – es versteht sich – von den Spielplänen verschwunden. … nach dem Terrorangriff auf das World Trade Center in New York vom 11. September 2001 gewann Nathan wieder eine ,brennendeʻ Aktualität und eine entsprechende Würdigung auf den Bühnen der ganzen Welt.“ [<https://www.geesthacht.de/index.phtml?La=1&sNavID=1801.195&mNavID=17.6&object= tx|1801.620.1&kat=&kuo=1&sub=0>] Stellen Sie dar, warum „Nathan der Weise“ seit 2001 wieder „brennende“ Aktualität gewann. Gehen Sie dabei auch kurz darauf ein, warum das Werk zwischen 1933 und 1945 von deutschen Spielplänen verschwunden war. (Literarische Interpretation und Erörterung: ca. 400–450 Wörter) oder Aufgabe C2: Fassen Sie die „Ringparabel“ kurz in eigenen Worten zusammen und interpretieren Sie sie ausführlich. (Interpretation: ca. 400– 450 Wörter) oder Aufgabe C3 (Fragen zum Text – Quelle 2): Beantworten Sie, von der angegebenen Textstelle ausgehend, die Fragen zum Drama „Nathan der Weise“. Textgrundlage: Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise. Reclam Universalbibliothek Nr. 3, Stuttgart 1988 Saladin. (tritt hinzu und wirft das Spiel um). Ich bin es; will Es sein. Al-Hafi. Ja so! – Spiel wie Gewinnst! So wie Gewonnen, so bezahlt. 5 IEB Copyright © 2017 PLEASE TURN OVER
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 14 of 18 Saladin. (zu Sittah). Was sagt er? was? Sittah. (von Zeit zu Zeit dem Hafi winkend). Du kennst ihn ja. Er sträubt sich gern; läßt gern Sich bitten; ist wohl gar ein wenig neidisch. – Saladin. Auf dich doch nicht? Auf meine Schwester nicht? – 10 Was hör' ich, Hafi? Neidisch? du? Al-Hafi. Kann sein! Kann sein! – Ich hätt' ihr Hirn wohl lieber selbst; Wär' lieber selbst so gut, als sie. Sittah. Indes 15 Hat er doch immer richtig noch bezahlt. Und wird auch heut' bezahlen. Laß ihn nur! – Geh nur, Al-Hafi, geh! Ich will das Geld Schon holen lassen. Al-Hafi. Nein; ich spiele länger 20 Die Mummerei nicht mit. Er muß es doch Einmal erfahren. Saladin. Wer? und was? Sittah. Al-Hafi! Ist dieses dein Versprechen? Hältst du so 25 Mir Wort? Al-Hafi. Wie konnt' ich glauben, daß es so Weit gehen würde. Saladin. Nun? erfahr ich nichts? Sittah. Ich bitte dich, Al-Hafi; sei bescheiden. 30 Saladin. Das ist doch sonderbar! Was könnte Sittah So feierlich, so warm bei einem Fremden, Bei einem Derwisch lieber, als bei mir, Bei ihrem Bruder sich verbitten wollen. Al-Hafi, nun befehl ich. – Rede, Derwisch! 35 Sittah. Laß eine Kleinigkeit, mein Bruder, dir Nicht nähertreten, als sie würdig ist. Du weißt, ich habe zu verschiednen Malen Dieselbe Summ' im Schach von dir gewonnen. Und weil ich itzt das Geld nicht nötig habe; 40 Weil itzt in Hafis Kasse doch das Geld Nicht eben allzuhäufig ist: so sind Die Posten stehn geblieben. Aber sorgt Nur nicht! Ich will sie weder dir, mein Bruder, Noch Hafi, noch der Kasse schenken. 45 Al-Hafi. Ja, Wenn´s das nur wäre! das! Sittah. Und mehr dergleichen. – Auch das ist in der Kasse stehngeblieben, Was du mir einmal ausgeworfen; ist 50 Seit wenig Monden stehn geblieben. Al-Hafi. Noch Nicht alles. Saladin. Noch nicht? – Wirst du reden? IEB Copyright © 2017
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 15 of 18 Al-Hafi. Seit aus Ägypten wir das Geld erwarten, 55 Hat sie … Sittah (zu Saladin). Wozu ihn hören? Al-Hafi. Nicht nur Nichts Bekommen … 60 Saladin. Gutes Mädchen! – Auch beiher Mit vorgeschossen. Nicht? Al-Hafi. Den ganzen Hof Erhalten; Euern Aufwand ganz allein Bestritten. 65 Saladin. Ha! das, das ist meine Schwester! (Sie umarmend.) Sittah. Wer hatte, dieß zu können, mich so reich Gemacht, als du, mein Bruder? Al-Hafi. Wird schon auch 70 So bettelarm sie wieder machen, als Er selber ist. Saladin. Ich arm? der Bruder arm? Wenn hab' ich mehr? wenn weniger gehabt? – Ein Kleid, Ein Schwert, Ein Pferd, – und Einen Gott! 75 Was brauch' ich mehr? Wenn kann´s an dem mir fehlen? Und doch, Al-Hafi, könnt' ich mit dir schelten. Sittah. Schilt nicht, mein Bruder. Wenn ich unserm Vater Auch seine Sorgen so erleichtern könnte! Saladin. Ah! Ah! Nun schlägst du meine Freudigkeit 80 Auf einmal wieder nieder! – Mir, für mich Fehlt nichts, und kann nichts fehlen. Aber ihm Ihm fehlet; und in ihm uns allen. – Sagt, Was soll ich machen? – Aus Ägypten kommt Vielleicht noch lange nichts. Woran das liegt, 85 Weiß Gott. Es ist doch da noch alles ruhig. – Abbrechen, einziehn, sparen, will ich gern, Mir gern gefallen lassen; wenn es mich, Bloß mich betrifft; bloß mich, und niemand sonst Darunter leidet. – Doch was kann das machen? 90 Ein Pferd, Ein Kleid, Ein Schwert, muß ich doch haben. Und meinem Gott ist auch nichts abzudingen. Ihm gnügt schon so mit wenigem genug; Mit meinem Herzen. – Auf den Überschuß Von deiner Kasse, Hafi, hatt' ich sehr 95 Gerechnet. Al-Hafi. Überschuß? – Sagt selber, ob Ihr mich nicht hättet spießen, wenigstens Mich drosseln lassen, wenn auf Überschuß Ich von Euch wär' ergriffen worden. Ja, 100 Auf Unterschleif! das war zu wagen. IEB Copyright © 2017 PLEASE TURN OVER
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 16 of 18 Saladin. Nun, Was machen wir denn aber? – Konntest du Vor erst bei niemand andern borgen, als Bei Sittah? 105 Sittah. Würd' ich dieses Vorrecht, Bruder, Mir haben nehmen lassen? Mir von ihm? Auch noch besteh' ich drauf. Noch bin ich auf Dem Trocknen völlig nicht. Saladin. Nur völlig nicht! 110 Das fehlte noch! – Geh gleich, mach Anstalt, Hafi! Nimm auf bei wem du kannst! und wie du kannst! Geh, borg, versprich. – Nur, Hafi, borge nicht Bei denen, die ich reich gemacht. Denn borgen Von diesen, möchte wiederfordern heißen. 115 Geh zu den Geizigsten; die werden mir Am liebsten leihen. Denn sie wissen wohl, Wie gut ihr Geld in meinen Händen wuchert. Al-Hafi. Ich kenne deren keine. Sittah. Eben fällt 120 Mir ein, gehört zu haben, Hafi, daß Dein Freund zurückgekommen. Al-Hafi. (betroffen). Freund? mein Freund? Wer wär' denn das? 125 Sittah. Dein hochgepriesner Jude. Al-Hafi. Gepriesner Jude? hoch von mir? Sittah. Dem Gott, – Mich denkt des Ausdrucks noch recht wohl, des einst Du selber dich von ihm bedientest, – dem 130 Sein Gott von allen Gütern dieser Welt Das Kleinst' und Größte so in vollem Maß Erteilet habe. – Al-Hafi. Sagt´ ich so? – Was meint' Ich denn damit? 135 Sittah. Das Kleinste: Reichtum. Und Das Größte: Weisheit. Al-Hafi. Wie? von einem Juden? Von einem Juden hätt' ich das gesagt? Sittah. Das hättest du von deinem Nathan nicht 140 Gesagt? Al-Hafi. Ja so! von dem! vom Nathan! – Fiel Mir der doch gar nicht bei. – Wahrhaftig? Der Ist endlich wieder heimgekommen? Ei! So mag´s doch gar so schlecht mit ihm nicht stehn. – 145 Ganz recht: den nannt' einmal das Volk den Weisen! Den Reichen auch. IEB Copyright © 2017
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 17 of 18 Sittah. Den Reichen nennt es ihn Itzt mehr als je. Die ganze Stadt erschallt, Was er für Kostbarkeiten, was für Schätze, 150 Er mitgebracht. Al-Hafi. Nun, ist´s der Reiche wieder: So wird´s auch wohl der Weise wieder sein. Sittah. Was meinst du, Hafi, wenn du diesen angingst? Al-Hafi. Und was bei ihm? – Doch wohl nicht borgen? – Ja, 155 Da kennt Ihr ihn. – Er borgen! – Seine Weisheit Ist eben, daß er niemand borgt. Sittah. Du hast Mir sonst doch ganz ein ander Bild von ihm Gemacht. 160 Al-Hafi. Zur Not wird er Euch Waren borgen. Geld aber, Geld? Geld nimmermehr! – Es ist Ein Jude freilich übrigens, wie's nicht Viel Juden gibt. Er hat Verstand; er weiß Zu leben; spielt gut Schach. Doch zeichnet er 165 Im Schlechten sich nicht minder, als im Guten Von allen andern Juden aus. – Auf den, Auf den nur rechnet nicht. – Den Armen gibt Er zwar; und gibt vielleicht Trotz Saladin. Wenn schon nicht ganz so viel: doch ganz so gern; 170 Doch ganz so sonder Ansehn. Jud' und Christ Und Muselmann und Parsi, alles ist Ihm eins. Sittah. Und so ein Mann … Saladin. Wie kommt es denn, 175 Daß ich von diesem Manne nie gehört? … Sittah. Der sollte Saladin nicht borgen? nicht Dem Saladin, der nur für andre braucht, Nicht sich? Al-Hafi. Da seht nun gleich den Juden wieder; 180 Den ganz gemeinen Juden! – Glaubt mir´s doch! – Er ist aufs Geben Euch so eifersüchtig, So neidisch! Jedes Lohn von Gott, das in Der Welt gesagt wird, zög' er lieber ganz Allein. Nur darum eben leiht er keinem, 185 Damit er stets zu geben habe. Weil Die Mild' ihm im Gesetz geboten; die Gefälligkeit ihm aber nicht geboten: macht Die Mild' ihn zu dem ungefälligsten Gesellen auf der Welt. Zwar bin ich seit 190 Geraumer Zeit ein wenig übern Fuß Mit ihm gespannt; doch denkt nur nicht, daß ich Ihm darum nicht Gerechtigkeit erzeige. Er ist zu allem gut: bloß dazu nicht; IEB Copyright © 2017 PLEASE TURN OVER
Downloaded from hlayiso.com NATIONAL SENIOR CERTIFICATE: GERMAN HOME LANGUAGE: PAPER II Page 18 of 18 Bloß dazu wahrlich nicht. Ich will auch gleich 195 Nur gehn, an andre Türen klopfen … Da Besinn' ich mich so eben eines Mohren, Der reich und geizig ist. – Ich geh'; ich geh'. Sittah. Was eilst du, Hafi? Saladin. Laß ihn! laß ihn! 200 (a) Beschreiben Sie bitte, worum es in dem Textausschnitt geht. (3) (b) Ordnen Sie diese Textstelle begründet in die Dramenhandlung ein. (8) (c) Stellen Sie bitte die etwas verwirrende finanzielle Situation am Hofe des Sultans verständlich dar. Worin liegen die Ursachen dafür? (3) (d) Was ist ein Derwisch eigentlich und welche Aufgabe hat Al-Hafi am Hof Saladins? Wie und warum kommt er zu dieser Position? (3) (e) Was erfahren Sie aus der kurzen Szene über den Charakter von Sittah und Saladin? (3) (f) Was hält nach seinen eigenen Aussagen, die hier Sittah zitiert, Al-Hafi von Nathan? (3) (g) Was ist auffällig an der von Al-Hafi geäußerten Textstelle: „Wie? von einem Juden? Von einem Juden hätt' ich das gesagt? […] Ja so! von dem! vom Nathan! – Fiel Mir der doch gar nicht bei. – Wahrhaftig? Der Ist endlich wieder heimgekommen? Ei!“? (Zeile 138ff.) (2) Total: 80 Punkte IEB Copyright © 2017

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